Hilde on tour
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Santander — oder: Picante ist kein Vorname

22. Juli 2026

Santander — oder: Picante ist kein Vorname

Ich sitze in der Hilde und werde gerade scharf an mein Mittagessen erinnert. Empanada Carne Picante hat das Stück geheißen, und Pikantwurst war einmal meine Lieblingswurst. Picante bedeutet auf Spanisch allerdings etwas ganz anderes. Ich zähle das nun zu meinen zwanzig spanischen Wörtern — jetzt, wo es zu spät ist.

Aber fangen wir an wie immer: in der Früh. Eine kühle Nacht, zwei lästige Fliegen — aber gut, um 9:00 müssen wir ohnehin aufstehen, Sabine hat um 10:00 etwas zu tun. Ich sitze im Schatten und spiele meine Spiele, die ich nun schon seit mehreren Jahren spiele. Einfach zum Training, der Gehirnmuskel. Und weil ich nicht aufgeben will, nachdem ich schon sooo weit bin. Das ist keine Sucht, das ist Beharrlichkeit, und ich bleibe bei dieser Darstellung.

Dann räumen wir alles in die Hilde, lassen noch etwas Flüssigkeiten dort, wohin sie gehören — das Vanleben ist voller Poesie —, und fahren los, den nächsten Abenteuern entgegen.

Knapp fünfzig Kilometer später fahren wir rein nach Santander. Was für ein seltsamer Schicksalsweg für eine Stadt: einmal komplett abgebrannt, und heute ist ihr Name eine Bank. Na ja. Wir fahren rauf und runter, und ich bin damit — wie ihr wisst — nicht sehr happy. Wir kommen an einem Stellplatz an, dem einzigen weit und breit, und bekommen eine Lücke, die wir schnell schließen. Viele Womos stehen auf der Straße, dafür bekommt man angeblich Strafen, und so sind wir froh über einen ordentlichen Asphaltparkplatz. Asphalt und ich, das ist seit der Sandpiste eine Liebesbeziehung.

Scooter ausgepackt und los in die Stadt. Da muss ich gleich erzählen, dass ich mir von meinen Gemini Zwergen (weil was soll denn die KI sonst sein als viele, viele kleine Zwerge, die bei Fragen von uns Menschen loslaufen, um sie zu lösen) eine Route hab erstellen lassen. Ich wollte wissen, was wir uns in Santander anschauen sollen, sagte ihnen, dass wir mit den E-Scootern vom Wohnmobilstellplatz starten wollen und schwupps schon hatte ich eine Google Maps Route durch alle Sehenswürdigkeiten - am Radweg, weil wir ja mit Scooter unterwegs waren - echt grenzgenial. Wir fahren an sehr schönen und sehr vollen Stränden vorbei, trinken beim ersten Stopp einen wirklich sehr guten Kaffee und besuchen dann die Sommerresidenz des Königs. Also, er kommt schon länger nicht mehr her, und so ist es jetzt eine Art Hotel und Museum. Ganz nett — die Fotos könnt ihr euch ansehen. Der König, naja, der Junge - wir kennen nicht einmal seinen Namen - wäre nett gewesen ihn mal zu treffen und zu fragen, ob er das mit dem Königsein wirklich bis an sein Lebensende durchziehen will, oder lieber doch den ganzen Quatsch beenden würde können sollte. Er war nicht da, wir wissen nicht, was er gesagt hätte, aber so ist das eben.

Am Weg hinunter sehen wir noch Robben in Gefangenschaft. Was die wohl angestellt haben? Fünf bis sechs Tiere zählen wir, ganz sicher sind wir nicht — Robben sind beim Zählen wenig kooperativ. Pinguine und weitere Robben sind nicht in den Gehegen zu sehen, und ich fürchte, sie sind nicht daheim, sondern in einem Gehege, das wir nicht sehen können. 😢

Weiter geht es in die Stadt, wo wir zufällig auf einen Springfield stoßen. Zufällig. In der zweiten spanischen Stadt in Folge. Der Zufall ist eine von den guten Zufällen. Und sie haben hier in der Stadt ebenfalls minus 70 Prozent! Also: bis minus 70 Prozent. Na wenn das keine Einladung ist! Ein Kurzarmhemd in Beige (selber Schnitt wie das dunkelblaue) und ein blaues T-Shirt mit Knöpfen (Sabine meint, es schaut sehr fein aus — wahrscheinlich, weil die Knopfleiste verdeckt ist) wollen meine Garderobe aufbessern. Und Sabine eine Dreiviertelhose. Die sind immer billiger als ganze Hosen — ein Viertel weniger Hose, ein Viertel weniger Preis. Ich schätze Sabines Sparsamkeit sehr. Sehr witzig 😂😂😂

Mehrere Brötchen (Pintxos), ein Eis, Calamari fritti und noch ein Eis später fahren wir zurück zur Hilde. Es ist 22:00, und gut ist es mit Stadtbesichtigung.

Was noch zu sagen ist: Als wir die Stadt am Nachmittag besichtigt haben, war vieles zu und fast niemand auf der Straße. Jetzt ist halb Spanien auf den Beinen, denn es gibt etwas zu feiern — überall finden Konzerte statt (am Samstag sogar die Petshop Boys!) und sogar mehrere Stierkämpfe. Den einen heute sehen wir uns nicht an. Einerseits, weil er ausverkauft ist und wir keine Karten bekommen hätten, auch wenn wir gewollt hätten. Und andererseits — und vor allem —, weil wir das sinnlose Töten von Stieren vor johlendem Publikum ablehnen. Da hört sich der Humor auf. 😬

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