Foz — oder: Zwei Ponchos kann man nicht gleichzeitig tragen
1. August 2026

Es hat wieder geregnet heute Nacht, aber wir haben geschlafen wie die Ratzn und nichts davon gemerkt. Sabine springt um 9:00 aus dem Bett und ist voll aktiv (ich hab sooooo gut geschlafen), sie macht Kaffee, und so bequeme ich mich ebenfalls aus dem bequemsten Bett der Erde in die Waagrechte — den Rest des Weges in die Senkrechte übernimmt der Kaffee. Was dann passiert, ist Routine, und ich will euch nicht langweilen: Kaffee trinken, duschen, wegräumen, zahlen gehen, sich über WLAN und mobile Daten ärgern und den Campingplatz um 11:30 verlassen.
Wir fahren wieder auf die Autobahn, nur um sie gleich wieder zu verlassen — denn Sabine hat einen tollen Megamarkt gefunden. Dort stehen rund dreißig andere Wohnmobile, und wir fragen uns, ob die schon länger hier stehen oder ob das der inoffizielle Treffpunkt sämtlicher Womos der Gegend ist. Die Weißware findet immer zueinander.
Wir gehen also einkaufen und sind schon abgebrüht: los ohne System und Strategie. Der Einkaufswagen wird voll und immer voller — natürlich nicht mit Grundnahrungsmitteln, sondern mit Goodies. Dann besinnen wir uns und kaufen Milch, Getränke, Joghurt und Obst, damit die Sache wenigstens nach einem Plan aussieht. Alles zur Hilde gebracht, und weiter geht es zu Fuß zum nahen Decathlon.
Ich mag den Decathlon — er ist auf einer Ebene mit Ikea. Der Badeponcho, den wir in der Hilde beim Duschen anziehen, ist legendär, und fast hätte ich einen zweiten gekauft, wäre da nicht Sabine gewesen. Sie meinte — und ich kann es nicht widerlegen —, dass ich zwei nicht gleichzeitig tragen kann. Mein Argument, dass ich einen zweiten für zuhause brauche, erntete nur ein Kopfschütteln und ein zzzh. Damit war die Debatte auf höchstem Niveau beendet. Aber echt, da kann man nix mehr dazu sagen 🫣. Michi geht nur ins Pool, wenn es draußen sehr heiß ist, das Poolwasser Badewassertemperaturen hat und dann meint er, nach dem kühlen Nass zieht er sich einen knielangen Froteeponcho an - Wahrscheinlichkeit ist Limes gegen Null 🤭.
Okay, also kein Poncho. Dafür zwei Thermohäferl für kalt und warm — ideal für lange Autofahrten, sie passen in den Getränkehalter und halten, was sie versprechen. Und Sabine gönnt sich einen schicken Bikini und einen Badeanzug. Da hab ich echt eine Freude, nachdem ich mit gerade mal einem Bikini durchs Leben gehe.
Ach ja, fast vergessen — so wie an der Kassa: Sabine hatte die Idee, den Terrassen-Sonnenschirm mit zwei Meter Spannweite gegen einen kleineren, leichteren einzutauschen. Nun, ich bin nicht ganz ihrer Meinung, dass das reichen wird. Der nächste Strandbesuch bei Sonne wird es zeigen. Ich sage jetzt nichts weiter, ich notiere es nur fürs Protokoll. Reicht fix, nur nicht, wenn man beschlossen hat, der neue Feind ist die Sonne und kein Hautfuzzerl darf in der Sonne sein 🤯.
Als wir endlich beim nächsten Halt ankommen, ist es 14:30 — und alles besetzt. Alles reserviert. Das macht uns fertig, weil wir nicht damit gerechnet hatten, dass sie Reservierungen über die Homepage entgegennehmen. Foz heißt der Ort. Kein idealer Name, wenngleich man ihn sich gut merken kann — aber ehrlich, "Foz Camping" hätte ich nicht als Marke genommen. Die Vibes sind an dem Ort echt nicht super, so versuchen wir uns die belebte Umgebung von Hilde aus anzusehen, selbst das gelingt an dem seltsamen Ort mit den seltsamen Einbahnen nicht und so fahren wir einfach weiter - dort war es einfach nicht schön.
Wir fahren mit der Hilde durch die Altstadt, über den Kai, dann wieder raus und weiter. Irgendwo findet Sabine immer einen schönen Platz, und jetzt stehen wir direkt auf einem Womo-Parkplatz der Stadtverwaltung einer Stadt die einen Namen hat, den ich nicht kenne (wieder einmal), sehen aufs Meer und den Leuchtturm und sind total froh, hier zu sein. Manchmal ist ein ausgebuchter Campingplatz das Beste, was einem passieren kann. Wir sind in San Cibrao.



Wir waren schon mit den Rollern im Dorf und haben eine echte Strandbar gefunden — alle Sessel und Tische stehen im Sand! Der Kellner, ein Peruaner, verwöhnt uns mit einem kleinen Nudelsalat, auf den er uns einlädt. Ich finde heraus, dass es keinen Google-Eintrag gibt, hole das nach und habe der kleinen Beachbar damit hoffentlich einen Umsatzsprung beschert. Digitale Transformation, ganz praktisch, mit Sand in den Schlapfen.

Wir waren auch beim Leuchtturm und haben hinübergesehen zur Aluminiumfabrik und zum größten öffentlichen Abfallsee Spaniens. Eine große Umweltsünde direkt vor unseren Augen — das habe ich natürlich ebenfalls in einer Rezension festgehalten. Wenn ich schon Bewertungen schreibe, dann in beide Richtungen.

Kalt gegessen vor der Hilde, alles brav wieder eingeräumt (weil man auf so kostenlosen Stellplätzen meist kein Campingverhalten zeigen darf), und jetzt ist uns kuschelig warm, nachdem es draußen nur mehr 19 Grad hat und windig ist.
Morgen fahren wir weiter. Heute Nacht stehen wir gratis.
Wohnmobilstellplatz San Cibrao - kostenlos








