Von stillen Franzosen, der Boje, dem Esel und weißen Felsen
10. Juli 2026

Nach einer kurzen Fahrt vom BLB erreichten wir um 23:00 einen Stellplatz/Campingplatz, auf dem mancher Fernseher das Spiel Frankreich gegen Marokko zeigte. Das Erstaunliche daran: kein Ton. Keiner. Weder beim 1:0 für Frankreich noch beim 2:0 regte sich unter den Zuschauern auch nur ein Muskel, der sich zum Jubel hätte verirren können. So erfuhren wir das Ergebnis erst um Mitternacht, aus dem Internet. Frankreich also auf dem Weg zum Weltmeistertitel — und, kleiner Vorgriff auf den heutigen Tag: Es war auch am nächsten Morgen nirgendwo zu merken. Nun, die Franzosen sind offenbar ein zurückhaltendes Volk. Oder sie sparen sich die Freude fürs Finale auf.
Wir gehen duschen und schlafen. Sabine schreibt noch ihren Tagebucheintrag. DerKaffee nach 16:00 tut noch seine Wirkung :)
Um 9:30 musste ich aufstehen, nach einer ersten kühlen Nacht — wir hatten die hintere Tür offen gelassen. Blöd nur, dass die Morgensonne genau durch diese offene Tür aufging, als hätte sie es sich auf einem Plan eingezeichnet. Also machte ich um 8:00 die Klappe zu und nahm mir, nach einem Relpax, noch eine Mütze Schlaf.
Dann saß ich, noch völlig schlaftrunken, vor der Hilde im mickrigen Schatten — wer plant Stellplätze eigentlich so blöd?? — und Sabine hatte Stress. Genau, ein normales Tempo hab ich vorgegeben 🙄 Ich erledigte also brav das Morgenprogramm im Eiltempo, und wir fuhren zurück zum BLB. Dort wartete Uschi mit Kaffee, Orangensaft und einem herrlichen französischen Frühstückstisch auf uns. Die Zeit verging wie im Flug bei gutem Gespräch, und erst als die ersten Gäste in der Tür standen, verabschiedeten wir uns herzlich und nahmen Kurs aufs Meer.
Die Gegend: wie gestern. Weizenfelder, wohin das Auge reicht. Mähdrescher, überlebensgroß, verwandeln die Felder in flache Ebenen, und ich frage mich, wohin das ganze Korn eigentlich gebracht wird und was damit geschieht. Brot? Wer kann so viel Brot essen??? Das wäre übrigens eine schöne, moderne Geschichte — der Weg des Korns vom Feld bis in den Magen der Menschen. Vielleicht ein andermal. Jetzt fahren wir ans Meer.
Wir kamen in einer alten, kleinen, engen und ausgesprochen womofeindlichen Kommune an. Etretat - die Kreidefelsen von Etretat. Überall Schilder mit durchgestrichenen Wohnmobilen, nirgends ein Parkplatz. Sabine fand trotzdem einen guten Platz — sie findet immer einen — und mit den Scootern fuhren wir dorthin, wo alle sind. Und wo Monet vor sehr langer Zeit gemalt hat: schroffe weiße Felsen, ein blaues Meer. Dazwischen blasse Menschen in allen denkbaren Tätigkeiten und Situationen, die durch die Gegend wuseln. Ein Touristenhotspot, und wir natürlich mittendrin.


Wir streckten die Zehen ins Meer — gar nicht sooo kalt, aber der Steinstrand lud nicht wirklich zum Verweilen ein. Zwei coole Steine kamen trotzdem mit mir. Sabine beschloss nach langem Zögern, doch noch auf den Kamm des ersten Felsens links zu wandern, während ich im Schatten ein Cola trank. Jeder nach seiner Fasson.


Im Zentrum genossen wir ein Eis um das Geld eines ganzen Menüs. Ein Haus dort war besonders alt und faszinierend — es stand da, als wollte es beweisen, dass es die Touristenströme noch alle überleben wird. Dann ging es mit unseren Scootern, die wirklich großartig sind, zurück zur Hilde.


Sabine fand einen guten Stellplatz mit Meerblick und Bojenblick. Da sitzen wir nun und chillen mit kalten Getränken und ein paar Nüssen. Wir waren die Zweiten hier, aktuell sind es schon vier Womos. Der Platz hat einen Automaten, einen Schranken, Wasserver- und -entsorgung und 20 Plätze. 15 Euro die Nacht. Passt wunderbar — als Vorbild in mein Pura-Vida-Konzept.
Ach ja, und Esel. Er schreit rum, warum wissen wir nicht, aber er scheint es zu mögen.


Stellplatz 14€/24h
(Preise beziehen sich immer auf Auto inkl. 2 Personen)



