Farewell Mare

Es war ein emotionsgeladener Augenblick, als wir die Autobahn Richtung Verona eingeschlagen haben. Gerade haben wir noch an der Küstenstraße die unendlich touristischen Strände belacht, dann auf die Autobahn rauf – ein paar Biegungen später ein kurzer Blick zurück auf ein Stück wunderbar blaues Meer und hinter der nächsten Biegung: das war’s, das Meer ist bis zum nächsten Mal – und das wird, wann auch immer sein – Geschichte. Ich musste eine kleine Träne aus dem Augenwinkel wischen und den starken Impuls umzudrehen unterdrücken.

Doch wie begann der Tag? Eigentlich gut. Es war eine normal temperierte Nacht im Hochgebirge an der Grenze zwischen Frankreich und Italien gewesen. Ich träumte von unendlichen Serpentinen und nach anfänglichem Angstschweiß, aus Angst davor, in den Abgrund zu stürzen, beförderte mich das rhythmische hin und her der Serpentinen in eine wunderbare Tiefschlafphase. Wie immer sind die Streber schon weggefahren und wir sitzen da und trinken Kaffee. Wir überlegen welchen Weg wir nehmen, den über die italienische Grenze oder den Weg zurück, den wir gestern genommen hatten.

Ich entschied mich für den alten Weg – aus dem Grund, weil ich das Phänomen kenne, dass der Hinweg immer viel länger erscheint als der Rückweg. Und weil ich Angst hatte, dass mir der Diesel ausgeht, wenn die Grenze nach Italien geschlossen ist und wir nicht nur den gestrigen Weg sondern auch den heutigen Weg bis zur gesperrten Grenze zurückfahren müssten. Denn der Tank war nicht voll. Auch nicht halbvoll – sondern nur 3 1/2 Striche voll und alle die mich kennen wissen, was das in mir anrichtet: Panik, dass mit der Sprit ausgeht!! Leicht hab ich’s nicht! Mit dem Sprit wären wir heimgekommen, aber der Mann ist nur mit vollem Tank und vollem Kühlschrank entspannt. Beim Kühlschrank sag ich immer: „Hamma noch“, aber beim Tank sieht er es an seinen Stricherln 🙈. 

Ja und das Phänomen kann ich bestätigen, der Weg zurück dauerte definitiv und subjektiv nur halb so lange wie gestern bei der Hinfahrt. Gleich nach der Autobahnauffahrt in die erste Tankstelle und die Welt war wieder in Ordnung.

Doch nur ein paar Kilometer.

Dann sagte Garmin in 60km eine 45 minütige Verspätung an und ich sagte – und dachte nicht (und das war der Fehler) – na dann fahren wir doch am Meer entlang auf der Bundesstraße und umfahren die Behinderung auf der Autobahn. Sabine – mit einem Capri in der Hand war gleich Feuer und Flamme und wir fuhren ab von der Autobahn.

Zu früh. Genau richtig, wie ich finde 🤷🏻‍♀️. 

Denn die Ausläufer des Hochgebirges waren noch nicht fertig mit mir. Es ging wieder rauf und runter auf schmalen Straßen und engen Kurven – mein Alptraum wurde wieder Realität, unterbrochen von Stränden voll mit Schirmen, Liegen und glänzenden roten Leibern unendlich vieler Tourist:innen. Doch langsam wurden die Berge flacher und der eine oder andere Tunnel war gebaut worden, um arme Flachländler wie mich sicher weiterzubringen. Irgendwann hatten wir genug davon an unendlichen Reihen von am Straßenrand parkenden Autos, Mopeds und – siehe oben (die Schirme… etc.) – vorbeizufahren ohne eine einzige Parklücke für die Hilde zu ergattern (was wirklich nur dem Umstand geschuldet sein konnte, dass ich unbewusst gar keinen gesucht habe… also keinen Parkplatz gesucht hatte. Denn alleine der Gedanke, mich an so einen Strand …. zum Meer durchwursteln … )

Schade. Denn das Meer schien sensationell klar und frisch zu sein. Aber was soll’s. Das nächste Mal…

Um 19:00 erreichen wir einen Campingplatz geografisch direkt unter dem Gardasee. Überall Natur. Schon wieder so ein Bauernhof denke ich mir. Aber es ist diese mal ein wirklich ordentlicher Bauernhof. Alles bestens gepflegt und die Pferde sind in einem Stall untergebracht und machen keinen Mucks. Diesmal kein schnaubender Freund für Michi 😂.

Im hofeigenem Restaurant essen wir fancy Sachen und überlegen, ob wir nicht auf Basis unseres Blogs ein Spiel machen mit Fragen wie: wie hieß der erste Campingplatz in Portugal und waren wir dort im Meer. Wäre gut gegen Alzheimer. Die Vorspeise war schneller gegessen als fotografiert. Bei 6 Wochen verschwimmen schon die CP und Orte, dass wir manchmal unseren eigenen Blog nachlesen müssen 🙈. 

Gute Nacht.

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